EuroComprehension

EuroComprehension ist ein von dem Frankfurter Romanisten Horst G. Klein (1999) geprägter Begriff. Er meint, dass – ganz im Sinne des vom Europarat in mehreren Dokumenten definierten mehrsprachlichen Minimums, bestehend aus „Muttersprache + mindestens zwei europäischen Fremdsprachen umfassend (d.h. lesend, schreiben und hörverstehend und sprechend) können“ – leicht weitere Sprachen zumindest mit dem Ziel Lese- und Hörverstehen interkomprehensiv hinzugelernt werden können. Der Weg dorthin führt über die Interkomprehensionsdidaktik und das Ziel lautet europaweite Interkomprehension. Sie wird optimal auf der Grundlage der operablen Kenntnis einer germanischen, romanischen und slawischen Sprache erreicht. Davon ist natürlich eine die Muttersprache.

Das Eurokomprehensionskonzept setzt die Vorstellung einer „sprachenteiligen Gesellschaft“ fort, welche in den Homburger Empfehlungen vorgestellt wurde. Im Europa der Sechs (Benelux, Deutschland, Italien, Frankreich) würden die Bürgerinnen und Bürger einer zukünftigen Europäischen Union im polyglotten Gespräch in ihren jeweiligen Muttersprachen miteinander agieren und einander verstehen können, so das Ziel der Empfehlungen. Die Sprachenteiligkeit war nicht gegen eine gemeinsame Verkehrssprache (etwa Englisch) gerichtet. Zugleich waren die Empfehlungen ein Programm für das lebensbegleitende, zur Mehrsprachigkeit führende Sprachenlernen und die Sprachenpflege. Es war den Autoren bewusst, dass Mehrsprachigkeit die einzelnen nationalen Sprachen politisch stärkt, die Wahl einer einzigen sog. „Eurosprache“ diese aber schwächt.

In einer 24 Sprachen umfassenden Europäischen Union ist das Homburger Modell nicht mehr zielführend. Wohl aber das der Eurokomprehension. Hier ersetzen Sprachfamilien einzelne Sprachen. Treffender gesagt: Interkomprehensionskompetenz erweitert auf der Grundlage der Kenntnis einer Sprache bzw. deiner Sprachen diese Kenntnis um Lesekompetenz in weiteren Sprachen derselben Familie(n). Die Anlage von Eurokomprehension beginnt schon mit der Festlegung günstiger Wege zur Mehrsprachigkeit bzw. von günstigen schulischen Sprachenfolgen. Belegen deutschsprachige Muttersprachler neben der Weltverständigungssprache Englisch z.B. eine romanische und eine slawische Sprache im Laufe ihrer schulischen Ausbildung, so bilden sie eine breite Grundlage für den Aufbau einer umfassenden Eurokomprehension aus. Damit erwerben sie eine sehr leicht zu erreichende Lesefertigkeit in weiteren romanischen und slawischen Sprachen. Und natürlich,… ob es bei der Lesefertigkeit bleiben oder ob diese auch zu produktiven Kompetenzen ausgebaut werden soll, entscheiden letztlich die Betroffenen selbst…

Die Sieben Siebe von EuroComGerm und EuroComRom haben hierzu Lernmaterialien vorgelegt, die helfen, fremde Sprachen (die eigentlich gar nicht so fremd sind) zu „demaskieren“. Schon ein paar wenige Blicke in EuroComDidact ToGo machen dich mit den phonologischen Korrespondenzregeln vertraut. Du lernst korrespondierende Laute, Silben und Schreibungen in verschiedenen Zielsprachen einfach, indem du liest. Ein Blick auf Englisch hilft dir dabei und festigt zugleich deine Englischkenntnisse. Hier ein Ausschnitt aus der KRM-Datenbank, welche die Apps speist. Die Auswahl zeigt formähnliche Serien, geordnet nach Italienisch:

Die Auswahl zeigt dir: Eigentlich musst du die zwischensprachlichen Korrespondenzregeln gar nicht mehr „lernen“, in EuroComDidact ToGo genügt es schon, innerhalb der Serien zu lesen und die entsprechenden Wörter miteinander zu vergleichen.

Literatur:

Stoye, Sabine: Eurocomprehension: Der romanistische Beitrag für eine europäische Mehrsprachigkeit. (Editiones EuroCom 2), Aachen: Shaker 2000.

Bär, Marcus: Europäische Mehrsprachigkeit durch rezeptive Kompetenzen: Konsequenzen für die Bildungspolitik. (Editiones EuroCom 18). Aachen: Shaker 2004.

Meißner, Franz-Joseph: Eurocomprehension – the positive impacts of plurilingual competence on European democracy. In: Le Lièvre, Françoise. Anquetil, Mathilde. Derivry-Plard, Martine. Fäcke, Christiane, Verstraete-Hansen (éds.): Plurilinguisme, le pluriculturalisme et l’anglais dans la mondialisation/Plurilingualism and English in a globalized world. Papers of the International Conference. Angers 7-10/10/2015. Berne: Peter Lang: 2018, 205-232.

ders.: Rezeptive Mehrsprachigkeit – der mögliche Beitrag der Fremdsprachendidaktik zur Bildung einer gemeinsamen europäischen Öffentlichkeit. In: Language Education and Multilingualism (LEM 1/2018), 34-51.

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