Formen & Bedeutungen zuordnen

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effort sforzo custo esfuerzo effort
peine pena esforço labor (fem.) trouble
mal (mask.) fatica labor (fem.) pena pain
travail travaglio trabalho
trabajo. work
fatigue
fatica
fatiga
fatiga
fatigue

Alle Wörter einer mehrsprachigen Serie haben einen gemeinsamen Bedeutungskern. Ein solcher begegnet z.B. zwischen fr. travail/emploi/job/boulot... – it. lavoro/fatica/impiego… – en. job/work/employment… – pt. labor/trabalho/emprego… – sp. labor/trabajo/obra/curro/faenca…, en. paine/fr. peine/it. pena…  etwa in der Schnittmenge der Bedeutungen um ‚Mühe – Arbeit – Strafe – Schmerz – Gelegenheit, Geld zu verdienen, Mattheit/Ermüdung‘. Die Kenntnis dieses Kerns gestattet bereits ein grobes Verständnis, verlangt aber nach weiterer Konkretisierung. Mit der Kenntnis von nur drei inhaltlich eng benachbarten Wörtern esfuerzo, peine, labor verstehst du bereits zehn (siehe unten)! Zwischen den Bedeutungsnuancen kannst du Eselsbrücken bauen: „Arbeit (labor, travail…) macht Mühe (peine), verlangt Anstrengung (effort, esfuerzo), bringt evtl. gar Schmerz (peine, dolore…), macht müde (fatiga) kann gar eine Strafe (pena, castigo, punizione) sein.“ Erst die Ko-Texte (die textliche Umgebung eines Wortes) und Kontexte (die kommunikative Situation, in der ein Wort begegnet oder benutzt wird) bringen Klarheit darüber, was genau gemeint ist. Was musst du nun tun, um den Bedeutungskern ‚herauszuschälen‘?

  1. Lege den Bedeutungsrahmen (Suchrahmen) des Wortes weit an, er soll ja alle Bedeutungsmerkmale erfassen.
  2. Achte dabei auf die textliche Umgebung (Ko-Text) des Wortes und den situativen Kontext.
  3. Prüfe, ob die von dir vermutete konkrete Bedeutung des Wortes in die Gesamtaussage des Textes passt (inhaltliche Plausibilitätsprobe). Erscheint dein erster Deutungsversuch bereits plausibel? Ziehe eventuell Hilfsmittel, z.B. Wörterbücher, zur Überprüfung heran. Eventuell ist eine weitere Spezifizierung erforderlich.
  4. Finde die Eigenschaften des interessierenden Wortes heraus (Wortart, Genus, Konjugationsart, Transitivität/Intransivität, übergeordneter/untergeordneter Begriff, mehrsprachige Wortfamilie und -bildung beschreiben [effort, s’efforcer de f.qc., fort/force]). Frage nach den Entsprechungen in anderen Sprachen (gibt es zu en. an effort ein Verb? Nein, Englischsprachige sagen to make an effort, to put some effort into… u.a.m.). Bilde einsprachige und mehrsprachige Wortnetze zur Festigung deiner Erkenntnisse. (Natürlich nicht alles auf einmal, ein Jedes zu gegebenem Anlass.)
  5. Auch die bloße Wortoberfläche kann bereits eine Hilfe sein. Zerlege Wörter: Gibt es ein Prä- oder Suffix? Wie lautet der Wortstamm? Kennst du eine Entsprechung in einer anderen Sprache? Wenn ja, was genau bedeutet sie? – Wie ist der Gebrauch? Was unterscheidet das Brücken- und das Zielwort bedeutungsmäßig? Was die Form betreffend?
  6. Apropos Inhalt: Differenziere nach möglichen Bedeutungen und konkretisiere den Bedeutungskern, indem du herausfindest, was die möglichen Bedeutungsangebote gemeinsam haben. Im Folgenden lautet das übergeordnete Merkmal ’schlecht‘; seine untergeordneten Assoziationen: Anstrengung > Arbeit > tut weh/ist unangenehm > Strafe (disagreable, effort, gives pain, punishment...; sp. malo > duele/dolor > pena. Taucht das Wort in Redewendungen auf (vale la ~…, fr. ça vaut la peine)? Erweitere dabei deine Kenntnisse in der Zielsprache und der Brückensprache.
  7. Überprüfe dein Ergebnis, indem du eine Plausibilitätsprobe durchführst oder indem du zuverlässige Hilfe(n) heranziehst (Wörterbücher, Konkordanzer, Grammatiken, eine zielsprachlich kompetente Person).
  8. Füge die Befunde in deine Hypothesengrammatik ein. Darunter sind deine Annahmen zu verstehen, die du über das neue Wort/die neue Struktur entwickelst. Die Hypothesengrammatik bedarf, wie gesagt, am Ende einer Überprüfung. Die Sprachhypothesen können sich sowohl auf eine einzelne Zielsprache als auch auf die Entsprechungen zwischen Sprachen beziehen. Beispiel: fr. charité und it. carità, pt. caridade, sp. caridad zeigen die Regel „fr. ch-+ Vokal im Anlaut entspricht it./pt./sp. /k/ bzw. c vor dunklem Vokal (wie a,o,u)“. Du findest die Hypothese in vielen Beispielen bestätigt: fr. chien, it. cane, pt. cão, sp. can (neben perro). Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, eine Kalamität, une calamité, calamità, calamidade, calamidad.

Viel Erfolg beim Demaskieren von Wörtern und Strukturen.

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