{"id":295,"date":"2017-12-03T07:52:29","date_gmt":"2017-12-03T06:52:29","guid":{"rendered":"http:\/\/eurocomdidact.eu\/?page_id=295"},"modified":"2022-04-07T11:59:53","modified_gmt":"2022-04-07T10:59:53","slug":"faq","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/eurocomdidact.eu\/?page_id=295","title":{"rendered":"FAQs"},"content":{"rendered":"\n<p>Die folgenden Punkte betreffen grunds\u00e4tzliche Fragen von Sprachen- und Sprachlernbewusstheit, deren Kenntnis dir hilft, erfolgreich Sprachen zu lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#Wie\">Wie lerne ich eine Fremdsprache am besten?<\/a><br \/><a href=\"#Beherrschen\">Was bedeutet &#8222;eine Fremdsprache k\u00f6nnen&#8220;?<\/a><br \/><a href=\"#Teilfertigkeit\">Kompetenz messen: Teilfertigkeit f\u00fcr Teilfertigkeit<\/a> <br \/><a href=\"#Sprachen\"><em>Muttersprache, native speaker, Zweitsprache, Fremdsprache<\/em>?<\/a><br \/><a href=\"#Bezeichnungen\">Benennungen weiterer Sprachen<\/a><br \/><a href=\"#Dialekt\">Was unterscheidet eine Sprache von einem Dialekt?<\/a><br \/><a href=\"#Lernen\">&#8222;W\u00f6rter kennen, W\u00f6rter lernen&#8220;, was hei\u00dft das?<\/a><br \/><a href=\"#Native\">Wieviele W\u00f6rter kennen Muttersprachler? Wie verarbeiten sie W\u00f6rter?<\/a><br \/><a href=\"#Ich\">Wie viele W\u00f6rter muss ich lernen, um in der Fremdsprache kommunizieren zu k\u00f6nnen?<\/a><br \/><a href=\"#Interkomprehension\">Wie verbessert der Interkomprehensionsansatz das Sprachenlernen? Oder: Wie kann ich von der Methode profitieren?<\/a><br \/><a href=\"#LitDE\">Literatur<\/a><\/p>\n\n\n<h3><a id=\"Wie\"><\/a>Wie lerne ich eine Fremdsprache am besten?<\/h3>\n<p>Generell und pr\u00e4zise kann man dir diese Frage nicht beantworten, weil jeder Mensch anders lernt und &#8222;Lernen&#8220; zu viele relevante Variablen beinhaltet. Finde also heraus, was genau dich beim Erlernen welcher Sprache motiviert: was du mit ihr machen willst, warum genau du sie erfolgreich lernst (oder warum nicht). \u2013 Grob gesehen, ist indes seit langem bekannt, was generell gute Sprachenlerner ausmacht (Joan Rubin 1975).<\/p>\n<p>Eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr gutes Sprachenlernen sind in jedem Fall Sprach- und Lernaufmerksamkeit: Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Zielsprache und f\u00fcr das eigene Lernen.<\/p>\n<h3><a id=\"Beherrschen\"><\/a>Was bedeutet &#8222;eine Fremdsprache k\u00f6nnen&#8220;?<\/h3>\n<p>Die konkrete Antwort h\u00e4ngt von dem jeweiligen sozialen Umfeld ab, in dem du die Zielsprache verwenden willst, und den Erwartungen der zielsprachlichen Umgebung an deine kommunikative Kompetenz. Was die Beherrschung einer Sprache betrifft, in der du studierst, arbeitest und als Teil einer sozialen Gruppe lebst, so bedeutet dies, dass du die Sprache in der erwarteten Tiefe und Breite verwenden kannst, um anfallende kommunikative Aufgaben zu erf\u00fcllen. Zu den erforderlichen <em>umfangreichen<\/em> Sprachkenntnissen geh\u00f6rt eine ausreichende Beherrschung des Sprechens und Schreibens, des H\u00f6rverstehens &nbsp;und des Lesens. Voraussetzung hierf\u00fcr ist das Wissen eines breiten Wortschatzes inklusive der verschiedenen Sprachregister und des Sprachbaus. In der Gesellschaft h\u00e4ngt ein erfolgreiches Leben nicht zuletzt von den Kommunikations- und Sprachkenntnissen ab.<\/p>\n<p>Die Beschreibung der h\u00f6chsten Kompetenzniveaustufe C2 des <a href=\"https:\/\/d.docs.live.net\/b5b8cb51192759e5\/Dokumente\/2_Projekt%20GI\/Homepage\/Common%20European%20Framework%20of%20Reference%20for%20Languages:%20Learning,%20Teaching,%20Assessing\">Europ\u00e4ischen<\/a> <a href=\"https:\/\/d.docs.live.net\/b5b8cb51192759e5\/Dokumente\/2_Projekt%20GI\/Homepage\/Common%20European%20Framework%20of%20Reference%20for%20Languages:%20Learning,%20Teaching,%20Assessing\">Referenzrahmens f\u00fcr Sprachen: Lernen, Lehren, Bewerten<\/a> (GER) konkretisiert, was solche umfangreichen Sprachkenntnisse bedeuten. Die wichtigsten Merkmale sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Kann praktisch alles leicht verstehen, was er \/ sie liest oder h\u00f6rt.<\/li>\n<li>Kann Informationen aus verschiedenen schriftlichen und m\u00fcndlichen Quellen zusammenfassen und dadurch Begr\u00fcndungen und Erkl\u00e4rungen in einer schl\u00fcssigen Darstellung wiedergeben.<\/li>\n<li>Kann sich spontan, sehr flie\u00dfend und pr\u00e4zise ausdr\u00fccken und kann auch feinere Bedeutungen in komplexeren Sachverhalten darlegen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit anderen Worten: Verstehst du franz\u00f6sische Fernsehsendungen (so dass du sie Satz f\u00fcr Satz, Wort f\u00fcr Wort wiederholen kannst)? Kannst du einer Debatte spanischer Journalisten im Detail folgen? &#8230; einer Fu\u00dfballreportage im italienischen Fernsehen? \u2026 alles auf Russisch sagen und schreiben, was du in deiner Muttersprache sagen und schreiben k\u00f6nntest? Dann verf\u00fcgst du \u00fcber eine volle C2-Kompetenz in der Zielsprache. Um ein so hohes Ma\u00df an Kompetenz in einer Fremdsprache zu erreichen, sind gro\u00dfe Investitionen in Zeit und h\u00e4ufige Kontakte mit Muttersprachlern erforderlich. Unter schulischen Bedingungen allein ist ein C2-Niveau in einer Fremdsprache nicht erreichbar. Vergleiche nur einmal: Wie viele Stunden hast du in deinem Leben in deiner Mutter\u2011 oder Erstsprache verbracht? Mit wie vielen kompetenten Sprachpartnern interagiert? Wie wenige Stunden in hingegen in der Fremdsprache X, mit wie vielen Muttersprachlern der Sprache X? Etc.<\/p>\n<h3><a id=\"Fertigkeiten\"><\/a>Kompetenz messen, Teilfertigkeit f\u00fcr Teilfertigkeit<\/h3>\n<p>Der GER erm\u00f6glicht die Messung der Sprachkompetenz anhand der vier Grundfertigkeiten. Mit Blick auf mehrsprachige interkulturelle Gespr\u00e4chspartner scheint eine Vorbemerkung angebracht: eine Kompetenz A in Sprache A kann niemals mit einer Kompetenz A in Sprache B gleich sein. Daraus ergeben sich abgestuften und diversifierte Kompetenzprofile, die auch bei Muttersprachlern zu beobachten sind. Kurz und b\u00fcndig: Es ist v\u00f6llig legitim, nur eine einzelne Teilkompetenz zum Lernziel zu machen (z.B. ausschlie\u00dflich Lesen).<\/p>\n<p>Einige Beispiele zu Kompetenzprofilen. Zu Person 1: Muttersprache: Franz\u00f6sisch; Beherrschung der vier Grundkompetenzen: in Englisch und Italienisch; nur Lesekompetenz: in Spanisch, Portugiesisch, Katalanisch; schwaches H\u00f6rverstehen (A2): in Rum\u00e4nisch. Oder Person 2: Muttersprache: Deutsch, vier Grundkompetenzen: in Franz\u00f6sisch, Englisch; nur Lesekompetenz: in Italienisch und Spanisch. Es sei daran erinnert, dass der Erwerb von Lesefertigkeiten in einer nahverwandten Sprache (einer Familie, aus der man eine andere Sprache bereits kennt) in sehr kurzer Zeit erfolgt, wie zahlreiche empirische Studien belegen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich besteht, wie es die Europ\u00e4ische Union definiert hat, das gesellschaftliche Ziel darin, dass m\u00f6glichst viele europ\u00e4ische B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger neben ihren Muttersprachen umfassende Kompetenz in mindestens zwei Sprachen erwerben. Es ist w\u00fcnschenswert, dass sie weitere Sprachen mit dem Ziel einer vollst\u00e4ndigen oder nur partiellen Kompetenz erwerben.<\/p>\n<h3><a id=\"Sprachen\"><\/a>Was bedeuten eigentlich Begriffe wie <em>Muttersprache,<\/em> <em>native&nbsp; speaker<\/em>, <em>Zweitsprache,<\/em> <em>Fremdsprache<\/em>?<\/h3>\n<p><em>Muttersprache<\/em> ist kein wissenschaftlicher Terminus. Ebensowenig der ihm nachempfundene international gebr\u00e4uchliche Begriff des <em>native speaker<\/em>. Insbesondere in Bezug auf Migranten bezeichnet das Wort die Sprache, die gew\u00f6hnlich in einer Familie gesprochen wird. Linguisten bevorzugen oft andere Begriffe, sie unterscheiden zwischen <em>Erstsprachen, Zweit-<\/em> und <em>Fremdsprachen.<\/em> Hiermit bezeichnen sie entweder die Sprachen in der chonologischen Reihenfolge ihres Erwerbs durch ein Individuum oder aber nach der Kompetenz, mit der es \u00fcber diese Sprachen verf\u00fcgt. In sogenannten einsprachigen Gesellschaften ist zumeist die Muttersprache der Mehrheit auch <em>Amtssprache<\/em> (Justiz, Wirtschaft, Schule und Ausbildung usw.). In diesem Sinne kann man sagen, dass die Mutter\u2011oder Erstsprache der meisten deutschen B\u00fcrger das Deutsche ist. Gleichzeitig sprechen viele von ihnen einen (deutschen) Dialekt. Deutschland umfasst aber auch Regionen mit eigenen Sprachen (Sorbisch, D\u00e4nisch, Friesisch) und es z\u00e4hlt weit mehr als hundert Migrantensprachen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen mit Migrationshintergrund ist Deutsch in Deutschland (nach ihrer Erstsprache) eine <em>Zweitsprache, <\/em>die sie sehr oft wie eine Muttersprache beherrschen. In deutschsprachigen L\u00e4ndern gelten Englisch, Franz\u00f6sisch oder Russisch als <em>Fremdsprachen, <\/em>die oft als Schulfremdsprachen unterrichtet werden.<\/p>\n<p>In linguistischer Sicht sind alle Kompetenzbegriffe problematisch, weil Sprachk\u00f6nnen als beobachtbare F\u00e4higkeit immer nur individuell und kasuistisch (im konkreten &#8218;Sprachfall&#8216;) begegnet. &#8218;Die&#8216; Sprache X als Ganzes begegnet nicht einmal in den umfangreichsten W\u00f6rterb\u00fcchern. So spiegelt der Wortschatz die in Sprache gefassten, sehr unterschiedlichen Erfahrungen von Individuen und ihren Lebensl\u00e4ufen , der Dialekt einer Person z.B. macht eine Aussage \u00fcber deren regionale Herkunft und die Menge ihrer sozialen Kontakte. Heutige Kompetenzbeschreibungen orientieren sich am <em>Gemeinsamen europ\u00e4ischen Referenzrahmen<\/em> (GER).<\/p>\n<h3><a id=\"Bezeichnungen\"><\/a>Benennungen weiterer Sprachen<\/h3>\n<p>&#8230; betreffen zun\u00e4chst sog.<em> autochthone Sprachen<\/em>. In Deutschland: Friesisch, Sorbisch, Plattd\u00fctsch und andere, in Frankreich: Korsisch, Katalanisch, Els\u00e4ssisch, in Gro\u00dfbritannien: Walisisch, in Spanien: Baskisch, Galizisch und Katalanisch. Solche Sprachen haben als Minderheitensprachen einen bestimmten politischen Status \u2013 wie Deutsch in S\u00fcdtirol, D\u00e4nisch in Schleswig-Holstein&#8230;. Zu erw\u00e4hnen sind auch die <em>Herkunfts\u2011 <\/em>oder <em>Migrantensprachen.<\/em> Sie k\u00f6nnen auf dem Territorium eines Staates mehr Sprecher z\u00e4hlen als angestammte, autochthone Variet\u00e4ten. In Deutschland ist dies f\u00fcr das T\u00fcrkische im Vergleich zum Sorbischen der Fall. Migrantensprachen genie\u00dfen nicht immer eine wirkungsvolle politische Unterst\u00fctzung staatlicherseits, obwohl die Allgemeine Erkl\u00e4rung der <em>Sprachenrechte<\/em> (Barcelona 1996) auch sie sch\u00fctzt. (Die Erkl\u00e4rung wurde allerdings von der UNESCO bislang noch nicht verabschiedet.)<\/p>\n<h3><a id=\"Dialekt\"><\/a>Was unterscheidet eine Sprache von einem Dialekt?<\/h3>\n<p>&#8222;A schprach is a dialekt mit an armej un flot&#8220;, so formulierte es der Sprachwissenschaftler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Max_Weinreich\">Max Weinreich<\/a> in seiner Rede zur Er\u00f6ffnung der 19. Jahrestagung des Instituts f\u00fcr J\u00fcdische Forschung (YIVO) 1945. Alle unsere Landessprachen haben sich aus Dialekten entwickelt. Sprachen entstanden, als der zugrunde liegende Dialekt eine nationale (staatliche) Verbreitung erfuhr \u2013 in Justiz, Regierung und Verwaltung, Religion, Universit\u00e4ten, Wissenschaften, Schulen oder Handel. Die Grundlage daf\u00fcr war oft mit ihrem Alphabetisierungsstatus in (Teilen) der Bev\u00f6lkerung verbunden. Voraussetzung war eine einheitliche Rechtschreibung und eine vergleichsweise einheitliche (national verst\u00e4ndliche) Aussprache (Euphonie) innerhalb der Sprachgemeinschaft. Diese Eigenschaften verliehen den betreffenden Sprachen ein hohes Ansehen und einen hohen Nutzwert, was wiederum erkl\u00e4rt, warum sie als Fremdsprachen unterrichtet und erlernt wurden. Oft gehen Ausdehnung und Sprachen Hand in Hand, wie der spanische Grammatiker <a href=\"https:\/\/es.wikipedia.org\/wiki\/Antonio_de_Nebrija\">Antonio de Nebrija<\/a> 1492 im <em>Pr\u00f3logo a la Gram\u00e1tica de la lengua castellana <\/em>hervorhob: &#8222;Siempre una lengua fue compa\u00f1era del imperio&#8220;.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen begegnen Dialekte als lokal gebundene, nat\u00fcrliche und im Alltag m\u00fcndliche Variet\u00e4ten mit einem geringen Normalisierungsgrad und zumeist ohne standardisierte Rechtschreibung. Dialekte ein und derselben Sprache sind mehr oder weniger verst\u00e4ndlich (interkomprehensibel). Oft flie\u00dfen Dialekte und Soziolekte ineinander.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Erlernen von Fremdsprachen kann auch dialektbezogenes Wissen durchaus n\u00fctzlich sein, da sowohl Dialekte als auch Sprachen Transfergrundlagen bieten (rheinisch: <em>der Junge <u>ist am Spielen<\/u> &gt; the boy <u>is playing<\/u><\/em>).<\/p>\n<h3><a id=\"Lernen\"><\/a>&#8222;W\u00f6rter kennen, W\u00f6rter lernen&#8220;, was hei\u00dft das?<\/h3>\n<p>Der Vater der modernen Sprachwissenschaft, <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Ferdinand_de_Saussure\">Ferdinand de Saussure<\/a>, modellierte W\u00f6rter so, dass sie sich aus einem Zeicheninhalt (<em>Bedeutung<\/em> oder <em>Signifikat<\/em>) und einem Zeichenk\u00f6rper (<em>Signifikant<\/em>) zusammensetzen. Ein Signifikant kann ein oder mehrere Signifikate transportieren. Ein Wort kann monosemisch (d.h. mit nur einer Bedeutung) oder polysemisch sein \u2013 mit mehreren Bedeutungen, z.B. deutsch <em>Fl\u00fcgel<\/em> [1] mit den Referenzen [1a]<em> Vogel,<\/em> [1b] <em>Flugzeug,<\/em> [1c] <em>Teil einer T\u00fcr<\/em> oder [2] &#8218;Klavier&#8216;. Das Gebrauch eines Wortes kann denotativ sein, d.h. in seiner urspr\u00fcnglichen Bedeutung, oder konnotativ, d.h. in einer \u00fcbertragenen bildlichen oder emotionalen F\u00e4rbung (<em>Engel<\/em> f\u00fcr &#8218;entz\u00fcckende Person&#8216; oder <em>Drecksack<\/em> f\u00fcr &#8218;verabscheuensw\u00fcrdiger Zeitgenosse&#8216;). Ein Wort kennen bedeutet seine Rechtschreibung, Aussprache, Bedeutungen, Registerzugeh\u00f6rigkeit, grammatikalischen Merkmale kennen (d.h. &#8222;das englische Verb <em>to like<\/em> l\u00f6st ein Gerundium aus: <em>She likes looking TV<\/em>), Konnotationen (<em>Penne <\/em>f\u00fcr &#8218;Schule&#8216; mit der Assoziation <em>pennen<\/em>), Kollokationen (<em>to run a light,<\/em> <em>br\u00fbler un feu, eine Ampel \u00fcberfahren<\/em>). Kompetente Sprecher wissen zudem: Wer benutzt ein bestimmtes Wort zu welchem Zweck, wie, mit wem, mit welcher Wirkung, wo, wann; was gesagt wird, was nicht, wie reden Frauen, wie M\u00e4nner, etc. usw. Offensichtlich sind Wortsch\u00e4tze mit ihrer Kultur verbunden, die der deutsche Philosoph <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Niklas_Luhmann\">Niklas Luhman<\/a> als Repertoire von Themen definiert. Jede Kultur entwickelt ihre eigenen Themen, die sich von der einer anderen Kultur unterscheiden.<\/p>\n<p>Ein Wort kann akustisch gesprochen\/h\u00f6rend oder grafisch kodiert bzw. dekodiert werden. Akustische oder phonische Realisierungen haben eine Aussprache, grafische eine Schreibung. Kurz gesagt: Die grafische oder akustische Verwendung eines Wortes impliziert immer die Aktivierung des entsprechenden akustischen oder visuellen Kanals, d.i. die jeweilige Verwendung eines eigenen mentalen Programms. Was das Lernen betrifft, so bedeutet dies: Man lernt Sprechen durch Sprechen, H\u00f6rverstehen durch verstehendes Zuh\u00f6ren, Leseverstehen durch verstehendes Lesen und Schreiben durch Schreiben. Leider hat die Steuerung des Fremdsprachenunterrichts diese wichtige Regel lange missachtet.<\/p>\n<h3><a id=\"Native\"><\/a>Wieviele W\u00f6rter kennen Muttersprachler? Wie verarbeiten sie W\u00f6rter?<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Jean_Aitchison\">Jean Aitchison<\/a>, eine ber\u00fchmte englische Linguistin, bemerkt zum Wortwissen britischer Studenten in den 1930er Jahren, &#8222;dass der durchschnittliche College-Student etwa 58.000 gemeinsame \u00bbBasisw\u00f6rter\u00ab, 1.700 seltene \u00bbBasisw\u00f6rter\u00ab und 96.000 Derivate und Komposita kannte. Das h\u00f6chste Ergebnis war 200.000, und das niedrigste war 100.000&#8220; (1997: 7). Die Sch\u00e4tzung von 50.000 (&#8230;) &#8222;kann zu niedrig sein&#8220; (ebd.). Das Z\u00e4hlen von W\u00f6rtern nach Sprachen (&#8222;Hat Englisch mehr W\u00f6rter als Chinesisch oder Deutsch? &#8222;) macht wenig Sinn, solange nicht klar definiert ist, was ein Wort eigentlich ist. Das deutsche Kompositum <em>Donaudampfschifffahrtsgesellschaft<\/em> w\u00fcrde wohl von den meisten Deutschsprachigen als &#8218;ein&#8216; Wort bezeichnet werden, denn es scheint durch zwei wei\u00dfe Flecken begrenzt. In Europa stellen sich die Menschen W\u00f6rter zumeist in ihrer verschrifteten Gestalt vor. Die franz\u00f6sische und englische \u00dcbersetzung zeigt jedoch ein Mehr an W\u00f6rtern:<em> La compagnie des bateaux-vapeurs sur le\/du Danube<\/em>; Englisch: <em>the Danube steam shipping company<\/em>.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erfordern praktische Sprachkenntnisse weitaus mehr als nur deklaratives Wortwissen. Das mentale Lexikon organisiert W\u00f6rter so, dass das Erkennen und Abrufen von W\u00f6rtern aus der Lautkette in Sekundenbruchteilen erfolgt. Dies meint das prozedurale Sprachwissen. Muttersprachler identifizieren ein Wort in 200 Millisekunden oder weniger. Nachsprechen (Experten verwenden den Begriff &#8222;Shadowing&#8220;) erlaubt es abzusch\u00e4tzen, wie rasch &#8218;Spreche&#8216; segmentiert und W\u00f6rter erkannt werden k\u00f6nnen. Gute Sprachverarbeiter &#8218;erraten&#8216; h\u00e4ufige Kookkurrenzen, um hierauf aufbauend Hypothesen f\u00fcr nachfolgende W\u00f6rter und Inhalte zu entwerfen. Wir \u00fcberpr\u00fcfen unsere eigenen &#8222;Erwartungen&#8220; durch eine Plausibilit\u00e4tsprobe. Voraussetzung ist immer, dass unser Wissen nicht nur einzelne W\u00f6rter, deren Aussprache und Bedeutungs- und Funktionsumfang erfasst, sondern auch deren Kollokatoren und Kookkurrenzen. So tasten wir uns &#8218;vorw\u00e4rts an die eine Mitteilung heran. Auch das kulturelle spielt eine Rolle, indem es mit dar\u00fcber entscheidet, was als &#8222;plausibel&#8220; gelten kann: Weltweit <em>trinkt<\/em> man Kaffee, aber in einigen Gegenden Afrikas <em>isst<\/em> man auch Kaffeebohnen.<\/p>\n<h3><a id=\"Ich\"><\/a>Wie viele W\u00f6rter muss ich lernen, um in der Fremdsprache kommunizieren zu k\u00f6nnen?<\/h3>\n<p>Um die Antwort zu finden, geh zu weiteren Fragen, und zwar zu <em>warum<\/em> und <em>wozu.<\/em> Klar ist, dass du das Kernvokabular der Fremdsprache ben\u00f6tigst, weil seine Kenntnis es erm\u00f6glicht, die meisten Texte zu verstehen. Diese Liste des Kernwortschatzes umfasst die h\u00e4ufigsten W\u00f6rter der Sprache (H\u00e4ufigkeitsrang unter 5000). Aber f\u00fcr ein tieferes Verst\u00e4ndnis von Texten zu einem besonderen Thema, ist es auch notwendig, das spezielle Vokabular zu kennen.<\/p>\n<p>Aber was muss man nun wirklich neu &#8222;lernen&#8220;? Bei Weitem nicht &#8222;alles&#8220;, denn nicht alles ist &#8217;neu&#8216;. Ein Beispiel: Ein Italiener, der auf das englische Verb <em>to continue<\/em> (oder dessen Substantivform) trifft, kennt das Wort bereits aus seiner Muttersprache <em>continuare<\/em> (<em>continuazione<\/em>). Der Unterschied betrifft die Aussprache, die Orthographie, einige morphologische Abweichungen. Er entdeckt Entsprechungen und Unterschiede zwischen den Sprachen: <em>continues to play\/playing, <\/em>sp. <em>continua jugando<\/em> \u2013 und Abweichungen \u2013 it. <em>continua di giocare<\/em>\u2026<\/p>\n<p>Kurz gesagt, was du tats\u00e4chlich neu lernen musst, h\u00e4ngt (a) von den nutzbaren Vorkenntnissen ab, die du aktivierst, und (b) von dem Kompetenzprofil, das du erreichen m\u00f6chtest.<\/p>\n<h3><a id=\"Interkomprehension\"><\/a>Wie verbessert der Interkomprehensionsansatz das Sprachenlernen? Oder: Wie kannst du von der Methode optimal profitieren?<\/h3>\n<p>Das Beispiel zur <em>to continue, continuare\u2026 <\/em>hat schon angedeutet, was Interkomprehension meint: Eine fremde Sprache verstehen, ohne sie qua Unterricht erlernt oder in ihrer nat\u00fcrlichen Umgebung erworben zu haben. &nbsp;\u2013 Intercomprehensive Rezeption erfordert, dass du auf die Zielsprache achtest, indem du neue Formen, Funktionen und Bedeutungen identifizierst und dabei auf das n\u00fctzliche Vorwissen zur\u00fcckgreifst. Empirische Studien zeigen immer wieder folgende Schritte:<\/p>\n<ul>\n<li>Lesen des Zieltextes.<\/li>\n<li>Erstes Scannen des Textes unter der Frage: Was verstehe ich, was bedeutet was, welche Bedeutungen und Funktionen erkenne ich?<\/li>\n<li>Nochmal Scannen unter der Frage: Warum ist das anerkannte Zielsprachenschema identisch mit dem aus meinen Vorkenntnissen aktivierten Schema, &nbsp;warum ist es anders.<\/li>\n<li>Drittes Scannen unter der Frage: Was verstehe ich nicht?<\/li>\n<li>Kl\u00e4rung unbeantworteter Fragen, zum Beispiel mit Hilfe eines W\u00f6rterbuchs, einer entsprechenden Grammatik, des Lehrers.<\/li>\n<li>Erstellen der &#8222;Hypothesengrammatik&#8220;der Zielsprache: Schreiben Sie die Regeln auf, die Sie beim Lesen erkennen.<\/li>\n<li>Wenn Sie sich f\u00fcr mehr als eine Zielsprache interessieren, ist es auch von Vorteil, die Regelm\u00e4\u00dfigkeiten zu erfassen, die Sie zwischen allen beteiligten Sprachen erkennenk\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Entwerfen Sie Ihren weiteren Lernplan.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Du wirst sehen, dass im zweiten, dritten, viertenText die Entschl\u00fcsselung immer einfacher wird.<\/p>\n<h3><a id=\"LitDE\"><\/a>Literatur<\/h3>\n<p><strong>Aitchison<\/strong>, J. (1987): <em>Words in the Mind<\/em><em>. An introduction to the mental lexicon<\/em><em> Oxford\/New York: Basil Blackwell.<\/em><\/p>\n<p><a name=\"_ftn1\"><\/a><a href=\"https:\/\/eurocomdidact.eu\/?page_id=295#_ftnref1\">[1] <\/a><a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/170897\/umfrage\/einschaetzung-zu-eigenen-franzoesischkenntnissen\/\">&nbsp;https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/170897\/umfrage\/einschaetzung-zu-eigenen-franzoesischkenntnissen\/<\/a><\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die folgenden Punkte betreffen grunds\u00e4tzliche Fragen von Sprachen- und Sprachlernbewusstheit, deren Kenntnis dir hilft, erfolgreich Sprachen zu lernen. *** Wie lerne ich eine Fremdsprache am besten?Was bedeutet &#8222;eine Fremdsprache k\u00f6nnen&#8220;?Kompetenz messen: Teilfertigkeit f\u00fcr Teilfertigkeit Muttersprache, native speaker, Zweitsprache, Fremdsprache?Benennungen weiterer &hellip;<\/p>\n<p class=\"read-more\"> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/eurocomdidact.eu\/?page_id=295\"> <span class=\"screen-reader-text\">FAQs<\/span> Weiterlesen &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":288,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"footnotes":""},"class_list":["post-295","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v25.6 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>FAQs - EuroComDidact<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/eurocomdidact.eu\/?page_id=295\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"FAQs - EuroComDidact\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die folgenden Punkte betreffen grunds\u00e4tzliche Fragen von Sprachen- und Sprachlernbewusstheit, deren Kenntnis dir hilft, erfolgreich Sprachen zu lernen. *** Wie lerne ich eine Fremdsprache am besten?Was bedeutet &#8222;eine Fremdsprache k\u00f6nnen&#8220;?Kompetenz messen: Teilfertigkeit f\u00fcr Teilfertigkeit Muttersprache, native speaker, Zweitsprache, Fremdsprache?Benennungen weiterer &hellip; 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