Interligalexe

Interligalexe sind Teile von Wörtern, die sinntragende Einheiten bilden. Beispiele zu Ligalex (vgl. Rey-Debove 2004: IX): fr. fructifier verbindet sich über fruct- mit oder ohne -fier zu fructification, fructueux (infructueux),usufructuaire; über –fier zu den formähnlichen Ligalexen von  -fier: petrifier, confier, simplifier… Ist man ein wenig mit der Wortbildung vertraut (Buchstabenkombination -ct- = -it-), so erschließt das Ligalex auch fruit, fruité (fruchtig), fruiterie, fruiticulteur, fruitier (Obsthändler, -produzent/-baum). Und zu den weiteren Formähnlichen von -fier: amplifier, certifier, clarifier, défier, diversifier, édifier, identifier, intensifier, justifier, , méfier, modifier, planifier, purifier, qualifier, quantifier, ratifier, sacrifier, signifier, spécifier, vérifier. Interligalexe öffnen den Blick für weitere Sprachen: sp. fructificar, fructificación, fructífero, usufructuario, frutal, frutero, frutería, usufructo bzw. für amplificar, calificar, certificar, clarificar, cuantificar, diversificar oder en. edify, identify, justify, (to distrust!), modify…. All diese Verben sind im KRM inventarisiert. Fr -fier korrespondiert interligalexikalisch mit de Suffixen -ficar(e), dt. -fizieren, en. -fy. Form und Bildungsmuster tauchen, wie gezeigt, als Interligalexe in den Nachbarsprachen auf. Auch hier ist die unvollständige Reihe der Verben durch die nominalen Entsprechungen zu ergänzen: amplificação, certificazione, en.fr.édification, identificazione, en./fr. intensification, modificación, Quantifizierung, Ratifizierung  usw. Lernökonomisch relevant sind die lexematischen Interligalexe (wie ampli-, cert-, identi-, rati– usw.). Sie bilden prinzipell eine offene Klasse, d.h. neue Lexeme können entstehen. Prä-, In- oder Suffixe bilden hingegen eine geschlossene Kohorte (fr. –tion, -ment, -age, pré-, dé-, dt. un-, ver-, -irung, -tion usw.). Deren Angehörige sind nicht produktiv. Aufgrund ihrer Häufigkeit und ihrer interlingualen Ähnlichkeit sind Lerner mit ihnen von vornherein oder schon recht früh auf Ihrer Lernstrecke vertraut.

         Synergie-Effekt in minimaler Messung

Die Nutzung von solchen Filtereffekten schafft erhebliche lernökonomische Synergien: Im Hinblick auf den begrenzten Bestand des KRM ergibt sich folgende Quanfifizierung des möglichen Lernökonomischen Effektes. Geht man über den Frequenzrang <5000 hinaus, so steigt der Synergie-Effekt weiter an.

Als mehrsprachigkeitsdidaktische Kategorie sind Interligalexe, um lernökonomisch maximal wirksam zu sein, eine flexible Größe, deren Form sich an der zu vermutenden lernerseitigen interkomprehensiven Kompetenz ausrichtet. Von daher ist grundsätzlich zwischen reduktiven und expansiven Formen zu unterscheiden. Expansive Formen umfassen mehr Buchstaben als reduktive. Eine assoziative und lernerleichternde Beziehung zwischen Interligalex und seinen Lexemen aufzubauen, fällt daher leichter. Beispiel: habit- > habitare…, habito, en. habit (Gewohnheit) u.a.m.; hab- > cohabitar…, haber, habil…, habilité…, habiter…, habitacle…, habitual…u.a.m.. Die Expansion hilft es Lernern, die entsprechenden zwischensprachlichen Assoziationen aufzubauen, allerdings zum Preis eines weniger umfangreichen Assoziationsfeldes.

Literatur

F.-j. Meißner: The interligalexes of the Core Vocabulary of Romance Plurilingualism (CVRP) and their potential effects on plurilingual learning economy. Rivista di Linguistica Applicata/Journal of Applied Linguistics 19(2), 2019, pp. 31-46.

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