Lerntipps nicht nur für Schüler

Adressaten: Lernerinnen und Lerner

Wie lerne ich mit der App EuroComDidact ToGo
des Kernwortschatzes der romanischen Mehrsprachigkeit (KRM)

Das Lernen mit den Apps ist denkbar einfach:

Die folgende Abbildung zeigt drei bedeutungsadäquate Vokabelserien in vier Sprachen, und zwar in denjenigen, die du schon kennst (also den Brückensprachen Deutsch, Englisch, evtl. Französisch) und derjenigen, die du hinzulernen willst (z.B. die Zielsprache Spanisch):

Lernen: Um das ’neue‘ Wort zu lernen, genügt es i.d.R., Ziel- und Brückensprachen miteinander zu vergleichen (zu lesen). Dies beginnt mit drei Leitfragen: 1.) Kenne ich die Wortform gänzlich oder in Teilen aus meinen Brückensprachen? Worin genau unterscheidet sich ihre äußere Form? 2.) Welche Bedeutungen haben meine Brückenwörter? Passen sie auf den zielsprachlichen Text? Was ist die genaue Bedeutung des ZIelwortes? Worin unterscheidet sich die Bedeutungen und weiteren Eigenschaften? 3) Überprüfung: Was sagen die Wörterbücher, z.B. https://www.leo.org? Achtung: Ein bewährtes Mittel um Lernerfolg zu verhindern ist Zapping! Daher: Kein Zapping!

Tiefes Nachdenken über Wörter geschieht z.B., (a) indem man sie in Gedanken in Sätze einbaut (mentale Szenarien versprachlichen), (b) ihr Wortbildungsmuster analysiert, (c) eine sog. Fehlerprophylaxe betreibt (man fragt sich, wo sich z.B. das spanische Wort von seinem französischen oder englischen Brückenwort unterscheidet), (d) sich eine Situation vorstellt, in der das Wort verwandt wird, (e) sich fragt, mit welchen anderen Wörtern das Wort häufig vorkommt (Flammen knistern, ein Motor ruckelt/hat Aussetzer/le moteur toussote/misfiring like a car with dirty plugs). Das tiefe Vergleichen von Wortformen, -bedeutungen und weiteren Eigenschaften ist der Schlüssel – eine erfolgsversprechende Strategie – zum reflexiven Lernen von Vokabeln. Das Lernen mit den KRM-Apps macht hier keine Ausnahme.

Tiefes Lernen am Beispiel von sp. ejército, descarga, imponer

Sp. ejército: Frz./en./dt. armée-army-Armee sind formkongruent (haben eine sehr ähnliche Form). Ihre Bedeutungen sind gleich oder adäquat. Allein sp. ejército weicht ab; das Wort ist in der Serie formdivergent. Es setzt lat. EXERCĬTUS (ausgebildete Truppe) fort. Ein Blick in Leo zeigt Formkonvergenzen in it. esercito und pt. exército. Im Heer wird „geübt“, „exerziert“, der rasche Stellungswechsel spielt eine Rolle: EXERCERE (bewegen) – to exercise, fr. exercer, dt. exerzieren (dieses mit deutlicher Bedeutungsverengung auf ‚Militär‘: eine Schülerin übt, sie exerziert nicht, aber she is doing her exercise/elle fait ses exercices; sp. ejercitar, it. esercitare. Hier liegt wohl die verbindende Bedeutung zwischen Armee, army… und ejército. Die Formel ARMIS EXERCERE (sich im Waffengebrauch üben) ist in der lateinischen Literatur verbreitet. Üben und ausüben sind Nachbarbegriffe: fr. exercer un métier, pg. exercer um cargo / ~ autoridade.

Descarga ähnelt en. discharge, das wiederum an fr. décharger (entladen) erinnert. Déchargement ist wie descarga ein Substantiv. Vermutlich wird sp. *descargamiento oder ähnlich nicht gebildet. (Selbstanweisung: Muss ich prüfen). Descarga ist zusammengesetzt aus des + carga, im Deutschen als Cargo oder Kargo (Last) in etwa bekannt. Dt. Charge (1. Rang, beim Militär; 2. Masseinheit, Ladung). Eine Last kann auch ein Amt sein, so in pg. / sp. cargo, en. charge, en to be in charge (im Amt s., to be in office), fr. la charge (Fehlerprophylaxe: auf Genus achten!). Sp. cargar, fr. charger, en. to charge (beladen, beauftragen, laden [Waffe]), auch komponiert: sp. encargar. fr. recharger (aufladen, les batteries) und natürlich décharger, descargar (entladen, ausladen).

Imponer aus lat. IM+PONERE. Fr./en. impos- sind offensichtlich aus dem (lateinischen) Supinum hervorgegangen (PONERE, POSUI, POSITUM). Die deutsche Form imponieren knüpft an den lateinischen Infinitiv an. Regel (überprüfen): Generell scheint es, dass die englischen und z.T. französischen Verbformen dem Supinum bzw. dem lateinischen Partizip des Perfekts folgen: fr. supposer, en. to suppose. Hingegen die Formen sp. (pre)suponer (voraussetzen), it. ponere (fr. poser), to donate < DONATUM (spenden), en./fr. donation, it. donazione

Achtung: Es wurde hier zum Zweck der Illustration viel Wortwissen ausgebreitet. Lass dich hiervon nicht erschrecken: Es gilt: Schon wenig ist viel.

Merke dir: Vergleichen und Vernetzen von Formen, Bedeutungen und Gebrauchsregeln sind wichtige Strategien für das Wortschatz- und Sprachenlernen. Beim Suchen und Vergleichen von Wörtern gibst du deinem Gehirn Zeit, wichtige Verbindungen oder Assoziationen aufzubauen. Dies bewirkt ein besseres Behalten. Jeder verknüpfende Gedanke ist wertvoll. Zappen von Wörtern verhindert Lernen.

Das Lernen mit den KRM-Apps nimmt dir nicht völlig die eigentliche Lernarbeit ab, die nur du ‚in deinem Kopf‘ in Gang setzen kannst. Aber die Apps bringen deine Gedanken auf die richtige Spur, nachhaltige Assoziationen aufzubauen. Das Geheimnis der Lernwirksamkeit liegt in der Intensität und der Art, mit der Zielsprache und deinem relevanten Vorwissen umzugehen und deiner Hartnäckigkeit, bei der Sache (= bei den Sprachen) zu bleiben.

Zum Funktionieren der Apps: Die Apps haben die Form eines seriellen Lückentextes: Ihre Bearbeitung verlangt das Einsetzen der Vokabel in das leere Kästchen der von dir gewählten Zielsprache (hier: Spanisch). Die Eingabe spiegelt deine Vermutung wider, in welcher Form die gesuchte Vokabel auftauchen könnte. Achtung: die Antwort kann mehrdeutig sein. Wenn du z.B. die englische Entsprechung für dt. spenden suchst, findest du gleich mehrere akzeptable Antworten: to donate, to contribute, to dispense, to subscribe (z.B. Geld spenden), to console, to give comfort (Trost spenden). En. to spend meint hingegen dt. (1) verbringen, (2) ausgeben. Die KRM-Apps akzeptieren jeweils nur eine Form; gibst du eine andere Form ein, so wird sie im Sinne der App korrigiert. Nehmen wir an, für die Zielsprache Deutsch würde z.B. die App das Verb rennen verlangen. Gibst du nun stattdessen laufen ein, so ist das natürlich kein „Fehler“, obwohl die App dies ‚korrigieren würde. Sei also nicht etwa frustriert! Die App registriert die Verbesserung und legt dir die Aufgabe in einer späteren Übung wieder vor.

Wie soll ich mein Lernverhalten im Umgang mit der App einstellen? Generell musst du Verhaltensregeln beachten, die jedes gezielte Lernen fördern. Sodann kommen die Eigenheiten der Interkomprehensionsmethode hinzu.

  1. Regelmäßige Anwendung: Mache dir einen Zeitplan für dein Lernen mit der App, z.B. zweimal eine halbe Stunde pro Woche (oder öfter).
  2. Schreibe die ‚korrigierten‘ Formen in ein Vokabelheft, in dem du neben dem Zielwort das sog. Transfer- oder Brückenwort verzeichnest. Merke: Beim interkomprehensiven Lernen erwirbst du nicht nur die Zielsprache, du festigt auch deine Kenntnis in der Brückensprache. Dabei können auch fehlerprophylaktische Überlegungen bzw. Fehlervermeidungsstrategien eine Rolle spielen.
  3. Eine unumgängliche Schwäche in der Darstellung des Vokabulars im KRM ergibt sich aus den fehlenden Kontexten. Doch kannst du den Nachteil dadurch mildern, dass du, wie in der Interkomprehensionsdidaktik üblich, von Anfang an mit authentischen Texten arbeitest. Daher folgender Rat: Kombiniere die KRM-Anwendungen mit dem Lesen zielsprachlicher Texte zu Dich interessierenden Themen.
  4. Lies hernach den Text und notiere die Wörter, die du nicht kennst, sodann die Strukturen im Satz, die du nicht verstehst.
  5. Lies nun den Text erneut und erstelle die Hypothesengrammatik der Zielsprache. Dabei können dir die phonetischen Korrespondenzregeln helfen.
  6. Vervollständige die mehrsprachige Hypothesengrammatik bzw. die Korrespondenzregeln zwischen deinen Sprachen.

Viel Erfolg beim Lernen (nicht nur) mit EuroComdidact ToGo.

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