Empirische Evidenz

Adressaten: Lehrerinnen und Lehrer

Trotz ihrer Natürlichkeit und großen Nähe zum natürlichen Spracherwerb (nach dem Grundmuster: Komprehensionskonstruktion, Bildung von Sprachhypothesen, Bestätigung) und ihrer faktischen Nutzung vor allem beim Unterricht von Tertiärsprachen (z.B. Spanisch nach Französisch und Englisch an deutsche Muttersprachler) wurde der Interkomprehensionsmethode lange Zeit Skepsis entgegengebracht. In einer Tradition der „unaufgeklärten“ Einsprachigkeit befangen – um ein berühmtes Wort von Wolfgang Butzkamm (2004) zu pervertieren – setzte diese Skepis falsche Stereotypen zum Fremdsprachenlernen fort, wobei sie die Verfahren – z.B. das reflexive Vergleichen sprachlicher Bestände als Strategie der Fehlerprophylaxe – ausblendete. Statt auf Inferenz und Transfer sowie Sprachenwachstum zu setzen, fürchtete man in übertriebener Weise „Interferenz“ und falsche Freunde.

Um den absehbaren Vorbehalten zu begegnen, hat die seit den 1990er Jahren existierende fachdidaktische Forschung sowohl in den romanischen Ländern als auch in Deutschland die (romanische und z.T. germanische) Interkomprehension und den Interkomprehensionsunterricht in zahlreichen empirischen Studien begleitet. Gegenstand der Forschungen waren/sind der Interkomprehensionsvorgang, die Interkomprehensibilität von Zielsprachen durch unterschiedliche Sprecher unterschiedlicher Sprachen-, Lerner- und Altersgruppen, Lese- oder Hörverstehen interkomprehensibler Sprachen, Lehrbarkeit: nach Interkomprehensmethoden basierter Unterricht an unterschiedliche Lernergruppen, angewandt-linguistische Inputforschung.

So entstanden allein in Frankreich über 80 einschlägige hochwertige Qualifikationsarbeiten (Dissertationen und Habilitationen) und auch in der deutschen romanistischen Interkomprehensionsforschung wurden entsprechende Arbeiten vorgelegt.

W. Butzkamm: Monolingual principle. In: M. Byram (ed.): Language Teaching and Learning. London: Routledge, pp. 415-418,

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