Orientierung nicht nur für Schüler

Wie lerne ich mit der App EuroComDidact ToGo
des Kernwortschatzes der romanischen Mehrsprachigkeit (KRM)?

Vorab: Grundlegende Anmerkungen zur Lernmethode findest du über das Fenster „Fortgeschrittene“. Du wirst natürlich umso erfolgreicher lernen, desto früher du deinen Wortschatz ausbaust.

Das Lernen mit den Apps ist denkbar einfach:

Die Struktur der Apps zeigt die Vokabeln mit entsprechenden Bedeutungen zwischen den Sprachen, und zwar denjenigen, die du schon aus der einen oder anderen Sprache kennst und denjenigen, die dich als neu zu lernende Wörter interessieren. Eine solche Struktur zeigt z.B. die folgende Tabelle:

Die von dir gewählte Zielsprache: hier: Spanisch

Deine romanische Brückensprache,
hier: Französisch

Englisch hilft auch

Deutsch

(ejército)

armée
(s’exercer)

army
(to exercise)

Armee
(exerzieren)

(descarga)

déchargement

discharge

Entladung,(Kargo)

(imponer)

imposer

to impose

auferlegen:
((imponieren))

Lernen: Um die Formen der verschiedenen Sprachen zu behalten, genügt es i.d.R., die Wörter mehrmals miteinander zu vergleichen und über die zu lernenden Wörter „nachzudenken“. Das geschieht z.B., (a) indem man sie in Gedanken in Sätze und Situationen einbaut (mentale Szenarien versprachlichen), (b) indem man ihr Wortbildungsmuster analysiert, (c) indem man eine sog. Fehlerprophylaxe betreibt (man fragt sich dabei, wo sich das spanische Wort z.B. von einer entsprechenden französischen oder englischen Form unterscheidet, (d) indem man sich eine Situation vorstellt, in der das Wort verwandt wird, (e) indem man, sich fragt, mit welchen anderen Wörtern das Wort häufig vorkommt (Flammen knistern, ein Motor ruckelt/hat Aussetzer/le moteur toussote/misfiring like a car with dirty plugs). Das „reflexive Vergleichen von Formen und Bedeutungen“ ist der Schlüssel zum erfolgreichen Lernen von Vokabeln. Das Lernen mit den KRM-Apps macht hier keine Ausnahme. Ein tieferer Vergleich könnte in den in der Tabelle genannten Fällen so aussehen:

Beispiele: Frz./en./dt. armée, army, Armee sind formkongruent (haben eine ähnliche/“dieselbe“ Form). Ihre Bedeutungen sind gleich. Sp. ejército weicht hiervon ab, es ist formdivergent. Es setzt lat. EXERCITUS (Armee, Heer) fort. Im Heer wird „geübt“, „exerziert“ – to exercise, fr. exercer, dt. exerzieren (dieses mit deutlicher Bedeutungsverengung auf ‚Militär‘: eine Schülerin übt, sie exerziert nicht, aber she is doing her exercise/elle fait ses exercices, sp. ejercitar, it. esercitare aus lat. EXERCERE. Hier liegt wohl die verbindende Bedeutung zwischen Armee, army… und ejército. Natürlich gab es die spanische Armada (Kriegsflotte). Das Wort passt sich formkongruent in die Serie von Armee… ein. Die lateinische Formel ARMIS EXERCERE (sich im Waffengebrauch üben) ist in der lateinischen Literatur verbreitet. Üben und ausüben sind Nachbarbegriffe: fr. exercer un métier, pg. exercer um cargo / ~ autoridade.

Descarga ähnelt en. discharge, das wiederum an fr. décharger (entladen) erinnert. Déchargement ist wie descarga ein Substantiv. Vermutlich wird sp. *descargamiento oder ähnlich nicht gebildet. (Selbstanweisung: Muss ich prüfen). Descarga ist zusammengesetzt aus des + carga, im Deutschen als Cargo oder Kargo (Last) bekannt. Eine Last kann auch ein Amt sein, so in pg. / sp. cargo, en. charge, en to be in charge (im Amt s., to be in office), fr. la charge (Fehlerprophylaxe: auf Genus achten!). Sp. cargar, fr. charger, en. to charge (beladen, beauftragen), auch komponiert: sp. encargar. fr. recharger (aufladen, les batteries) und natürlich décharger, descargar (entladen, ausladen).

Imponer aus lat. IM+PONERE (PONUI, POSITUM). Fr./en. impos- sind offensichtlich aus dem (lateinischen) Supinum hervorgegangen (PONERE, PONUI, POSITUM). Die deutsche Form imponieren knüpft an den lateinischen Infinitiv an. Regel: Generell scheint es, dass die englischen und z.T. französischen Verbformen dem Supinum ähneln: fr. supposer, en. to suppose. Hingegen: sp. (pre)suponer – , it. presuporre (voraussetzen) oder fr. donner, it. donnare, pg. doar, sp. donar, aber: en. to donate < DONATUM (spenden).

Achtung: Es wurde zum Zweck der Illustration an drei Beispielen viel Wortwissen ausgebreitet. Lass dich hiervon nicht erschrecken: Es gilt: Wenig ist Viel.

Merke dir: Vergleichen und Vernetzen von Formen, Bedeutungen und Gebrauchsregeln sind wichtige Strategien für das Wortschatz- und Sprachenlernen. Beim Suchen und Vergleichen von Wörtern gibst du deinem Gehirn Zeit, wichtige Verbindungen oder Assoziationen aufzubauen. Dies bewirkt ein besseres Behalten. Jeder verknüpfende Gedanke ist wertvoll. Zappen von Wörtern verhindert Lernen.,

Das Lernen mit den KRM-Apps nimmt dir nicht völlig die eigentliche Lernarbeit ab, die nur in deinem Kopf stattfinden kann. Aber die Apps bringen deine Gedanken auf die richtige Spur, um erfolgreich zu lernen. Das Geheimnis der Lernwirksamkeit liegt in der Intensität, mit der Zielsprache und deinem relevanten Vorwissen umzugehen und deiner Hartnäckigkeit, bei der Sache (=bei den Sprachen) zu bleiben.

Zum Funktionieren der Apps: Die Apps haben die Form eines seriellen Lückentextes: Ihre Bearbeitung verlangt das Einsetzen der Vokabel in das leere Kästchen der von dir gewählten Zielsprache (hier zu Spanisch). Die Eingabe spiegelt deine Vermutung wider, unter welcher Form die gesuchte Vokabel auftauchen könnte. Achtung: die Antwort kann mehrdeutig sein. Wenn du z.B. die englische Entsprechung für dt. spenden suchst, hast du gleich mehrere akzeptable Antworten: to donate, to contribute, to dispense, to subscribe (z.B. Geld spenden), to console, to give comfort (Trost spenden). En. to spend meint hingegen dt. (1) verbringen, (2) ausgeben. Die KRM-Apps akzeptieren jeweils nur eine Form; gibst du eine andere Form ein, so wird sie korrigiert (im Sinne der App). Nehmen wir an, für die Zielsprache Deutsch würde z.B. die App das Verb rennen verlangen. Gibst du nun stattdessen laufen ein, so ist das natürlich kein „Fehler“. Sei also nicht etwa frustriert! Die App registriert die Verbesserung und legt sie dir in einer späteren Übung wieder vor.

Wie soll ich mein Lernverhalten im Umgang mit der App einstellen? Generell musst du Verhaltensregeln beachten, die jedes gezielte Lernen fördern. Sodann kommen die Eigenheiten der Interkomprehensionsmethode hinzu.

  1. Regelmäßige Anwendung: Mache dir einen Zeitplan für dein Lernen mit der von dir gewählten App, z.B. zweimal eine Stunde pro Woche (oder öfter).
  2. Schreibe die ‚korrigierten‘ Formen in ein Vokabelheft, in dem du neben dem Zielwort das sog. Transfer- oder Zielwort verzeichnest. Achtung: beim interkomprehensiven Lernen erwirbst du nicht nur die Zielsprache, du festigt auch deine Kenntnis in der Brückensprache. Dabei können auch fehlerprophylaktische Überlegungen bzw. Fehlervermeidungsstrategien eine Rolle spielen, z.B.:

fr. contrat, pg. contrato

it. contratto,

sp. contracto, en. contract, dt. Kontrakt

  1. Eine unumgängliche Schwäche der Darstellung des Vokabulars im KRM ergibt sich aus den fehlenden Kontexten der Vokabeln (dies kann in einer vier bzw. sechssprachigen Liste nicht geleistet werden). Doch kannst du den Nachteil dadurch wettmachen, dass du, wie in der Interkomprehensionsdidaktik üblich, von Anfang an mit authentischen Texten arbeitest. Daher folgender Rat: Kombiniere die KTM-Anwendungen mit wechselndem Input, den du dir selber geben kannst. Das Internet macht es dir leicht: Wähle zunächst einen Artikel aus z.B. Wikipedia über ein dir bekanntes Thema aus (etwa: deine Stadt, deine Region).
  2. Lies hernach den Text und notiere die Wörter, die du nicht kennst, sodann die Strukturen im Satz, die du nicht verstehst..
  3. Konsultiere sodann die App ‚Thesaurus‘ und lass‘ dir die entsprechenden Serien anzeigen.
  4. Lies nun den Text erneut und erstelle die Hypothesengrammatik der Zielsprache.
  5. Vervollständige die mehrsprachige Hypothesengrammatik bzw. die Korrespondenzregeln zwischen deinen Sprachen.

Viel Erfolg beim Lernen (nicht nur) mit EuroComdidact ToGo.

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